Unterwaldbach (sdp) – Was Hobbygärtner seit Generationen für gewöhnlichen Schneckenfraß halten, ist nach Angaben von Wissenschaftlern Teil der langsamsten Invasion der Menschheitsgeschichte. Die sogenannten Snailians, eine Lebensform zwischen Schnecke und Außerirdischem, befinden sich demnach seit der letzten Eiszeit auf der Erde und haben seither ein Hochbeet unter ihre Kontrolle gebracht.
„Wir haben es lange nicht bemerkt, weil es schlicht nichts zu bemerken gab“, erklärt Prof. Dr. Hiltrud Kriechbaum, Inhaberin des bundesweit einzigen Lehrstuhls für Xenomalakologie an der Universität Unterwaldbach. „Eine Invasion, die sich mit 0,03 Kilometern pro Stunde bewegt, fällt in keiner Statistik auf. Sie fällt eigentlich nirgends auf.“
Das Gehäuse ist das Raumschiff
Nach heutigem Kenntnisstand stammen die Snailians von Gastropoda Prime, einem dauerhaft feuchten Planeten in rund 340 Lichtjahren Entfernung. Für die Reise nutzte jedes Individuum sein eigenes Gehäuse, das zugleich Wohnraum, Raumschiff und Spiralantrieb ist. Der Antrieb gilt als technisch brillant, erreicht allerdings auch im All nur Schrittgeschwindigkeit. Wie die Snailians die Strecke trotzdem bewältigt haben, ist ungeklärt. Kriechbaum vermutet: „Geduld.“
Laut einem 2019 entschlüsselten Bordprotokoll war die vollständige Unterwerfung der Erde ursprünglich für das späte Pleistozän vorgesehen. Derzeit liegt man rund 39.000 Jahre hinter dem Zeitplan. Ein Sprecher der Snailians bezeichnete die Verzögerung auf Anfrage als „im Rahmen“. Die Antwort traf nach elf Wochen in der Redaktion ein.
Wir dachten jahrzehntelang, das seien Fraßschäden. Es sind Grenzmarkierungen.
Prof. Dr. Hiltrud Kriechbaum, Xenomalakologin
Salatbeete als Aufklärungsziel
Besonders aktiv sind die Snailians in deutschen Kleingärten. Was als angeknabberter Kopfsalat gilt, sind nach Erkenntnissen des Bundesamts für Außerirdische Weichtiere gezielte Aufklärungsmissionen. Jedes Loch im Blatt entspricht einem Bit Information, das per Schleimspur an die Heimatwelt übermittelt wird. Ein komplett abgefressenes Beet Eisbergsalat speichert damit etwa so viel wie eine Diskette.
Die Schleimspuren selbst gelten inzwischen als Schriftsprache. Einem Doktoranden in Unterwaldbach gelang 2023 die Übersetzung einer 400 Meter langen Spur auf einem Gehweg in Wuppertal. Sie lautet: „Wir kommen in Frieden. Oder später.“ Der Rest der Spur wurde von einem Laubbläser zerstört, was zu diplomatischen Verstimmungen führte.
Live · Invasionsfront
So weit ist die Front vorgerückt, seit Sie diesen Artikel geöffnet haben. Aktuelle Position laut Bundesamt: kurz vor Bielefeld. Bielefeld bestreitet das.
Bierfallen lösen diplomatische Krise aus
Für Spannungen sorgt vor allem der menschliche Umgang mit den Besuchern. Bierfallen werten die Snailians als Einladung zum Staatsbankett, was regelmäßig zu Missverständnissen über den weiteren Verlauf des Abends führt. Salz dagegen gilt als Kriegserklärung. Die Snailians haben deshalb eine förmliche Beschwerde auf den Weg nach Den Haag gebracht. Sie wird dort gegen 2041 erwartet.
Schnecke oder Snailian? So erkennen Sie den Unterschied
| Merkmal | Gewöhnliche Schnecke | Snailian |
|---|---|---|
| Kopf | weich, mit Fühlern | glänzend, Form behördlich nicht abschließend geklärt |
| Zähne | rund 14.000, mikroskopisch klein | weniger, dafür deutlich sichtbarer |
| Schwanz | nein | ja, mit Haken. Zweck unbekannt, Experten raten von Nachfragen ab |
| Reaktion auf Salz | stirbt | legt Beschwerde ein |
| Geräusche | keine | Summen bei 0,2 Hertz, hörbar nur für Hunde und Finanzbeamte |
| Lieblingsspeise | Salat | Salat. Das ist ja das Unheimliche. |
Was Bürgerinnen und Bürger jetzt tun sollten
Das Bundesamt für Außerirdische Weichtiere rät zur Besonnenheit. Eine akute Gefahr bestehe nicht, zumindest nicht vor dem Jahr 412.000.
- Ruhe bewahren. Die Snailians haben Zeit. Sie auch.
- Kein Salz streuen. Auch nicht auf Pommes, solange ein Snailian in Sichtweite ist.
- Schleimspuren nicht betreten. Es könnte sich um Post handeln.
- Bei Begegnungen freundlich nicken. Mit einer Antwort ist innerhalb von vier bis sechs Werktagen zu rechnen.
- Verdächtige Sichtungen melden. Die Hotline ist rund um die Uhr erreichbar, die Weiterleitung erfolgt im Tempo der Betroffenen.
Die Snailians haben auf eine Anfrage dieser Redaktion reagiert. Die vollständige Stellungnahme wird für das Frühjahr 2031 erwartet. Bislang liegt nur das erste Wort vor: „Wir“.